Die Speicherung von und der Zugriff auf Daten ist für das Funktionieren unseres Alltags unverzichtbar. Entsprechend werden (mehr) lokale Datacenter benötigt.
Datacenter: Zwischen globalem Wachstum und lokalen Herausforderungen
Autoren
Daniel Stocker
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Dieser Artikel für das Magazin IMMOBILIA (2026/07) beschreibt diesbezügliche Entwicklungen und Herausforderungen in der Schweiz.
Unsichtbare Infrastruktur unseres Alltags
Jeden Morgen greifen Millionen Menschen zum Smartphone, um E-Mails zu checken, Nachrichten zu lesen oder den Arbeitsweg zu planen. Beim Einkaufen scannen wir QR- Codes, abends streamen wir Serien und lassen uns von KI-Assistenten bei alltäglichen Aufgaben unterstützen. Was wie selbstverständliche Magie wirkt, basiert auf einer hochkomplexen physischen Infrastruktur: Datacentern, oder im deutschen Sprachgebrauch: Rechenzentren. Diese Gebäude sind das Fundament unserer digitalisierten Gesellschaft mit stetig wachsender Bedeutung.
Die Entwicklungen sind eindrücklich: Die globale Datenmenge von 175 Zettabyte im Jahr 2025 wird sich gemäss Prognosen der International Data Corporation (IDC) bis 2028 verdoppeln, nachdem bereits zwischen 2021 und 2025 eine Verdoppelung stattfand. Entsprechend sollen bis 2030 weltweit fast 100 Gigawatt (GW) an neuer Datacenter-Kapazität entstehen. Dieser Boom wird hauptsächlich durch Cloud-Migration und den rasanten Aufstieg künstlicher Intelligenz getrieben.
Warum lokale Datacenter unverzichtbar sind
In diesem globalen Kontext gewinnt die Schweiz als Datacenter-Standort zunehmend an Bedeutung. Drei zentrale Faktoren machen lokale Speicherorte attraktiv:
- Geschwindigkeit und Latenz: Wenn Daten zwischen Rechenzentrum und Nutzer hin und her übertragen werden, bestimmt die physische Distanz die Geschwindigkeit. Die Nähe zu Nutzern und Kunden minimiert Latenzen,garantiert optimale Performance und kann durchaus geschäftskritisch sein für den Finanzsektor, die Robotik, autonomes Fahren oder Cloud Computing.
- Datenschutz und Souveränität: Politische Stabilität und der bestmögliche Schutz vor Behördenzugriffen und Cyberangriffen sind entscheidende Standortfaktoren. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen wächst das Bewusstsein für digitale Souveränität. Lokale Datacenter sind Teil der Emanzipation von amerikanischen und chinesischen Technologiekonzernen.
- Redundanz und Ausfallsicherheit: Moderne Unternehmen benötigen Redundanzkonzepte. Idealerweise befinden sich mehrere Speicherorte auf geologisch stabilem Untergrund in angemessener Entfernung, damit bei einem Ausfall der nahtlose Betrieb gewährleistet ist.
Der Schweizer Datacenter Markt im Aufwind
Die Schweiz ist als Standort für Datacenter stark nachgefragt. Aktuell befinden sich über 100 kommerzielle Datacenter im Land, mit Nutzflächen zwischen 100 und 30 000 m2. Der Flächenbestand wächst kontinuierlich, entsprechend stieg auch der Stromverbrauch von 3,6% des Gesamtstromverbrauchs im Jahr 2019 auf heute ca. 6 bis 8%, mit Prognosen von bis zu 15% im Jahr 2030.
Die Region Zürich zeigt eine besonders hohe Dichte an Datacenter. Die Verfügbarkeit von Strom, ein bestehendes Glasfasernetz und die Nähe zu Unternehmenskunden sorgen für geringe Latenz und schnelle Datentransfers. Seit 2009 hat allein der Energieversorger EKZ 17 Datacenter ans Zürcher Stromnetz angeschlossen und erhielt in den letzten fünf Jahren über 100 Anschlussanfragen. Sechs von neun neuen Unterwerken zwischen 2014 und 2030 entstehen primär für Datacenter.
Zu den bedeutenden Projekten gehören der Green-Metro-Campus in Dielsdorf mit 35 MW Stromleistung, das «STACK Infrastructure»-Projekt in Beringen(36 MW), das «Vantage Data Centers»-Projekt in Volketswil mit rund 100 MW sowie das CH One von Global Technical Realty auf dem Campus Reichhold in Hausen/Lupfig (24 MW).
Herausforderungen: Strom, Grundstücke und Genehmigungen
Trotz günstiger Rahmenbedingungengestaltet sich die Grundstücksuche oft herausfordernd. Der grösste Engpass ist die leistungsfähige Stromversorgung – typischerweise 50 bis 100 MW – und deren Bereitstellung in nützlicher Frist. Die Zahlen sind ernüchternd: Der Anschluss von mehr als 50 MW sowie der Bau von Umspannwerken dauert meist sieben bis zehn Jahre, wodurch eine starke Abhängigkeit von Netzbetreibern und deren Kapazitäten entsteht. Die gestiegenen Stromkosten sind ebenfalls ein erschwerender Faktor: Gemäss Angaben der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom bewegte sich der Median-Strompreis für Grossbetriebe in der Schweiz von 2011 bis 2022 stets zwischen 12.5 und 14.5 Rp. pro Kilowattstunde (kWh). Seit 2023 liegt der Median-Strompreis nun oberhalb von 19.4 Rp. pro kWh. Weitere Herausforderungen umfassen die Grundstücksgrösse (typischerweise 5 000 bis 60 000 qm bebaubare Industrieparzellen mit Gebäudehöhen über 18 m) und regulatorische Vorgaben. Im Kanton Zürich müssen Rechenzentren beispielsweise Abwärme Dritten zu Gestehungskosten zur Verfügung stellen, selbst wenn Fernwärmenetze teilweise noch fehlen.
Nachhaltigkeit als Pflicht und Chance
Weil der Betrieb von Datacentern mit dem Verbrauch grosser Energiemengen einhergeht, ist deren Energieeffizienz umso wichtiger. Trotz laufender Verbesserungen bestehen weiterhin Potenziale bei der Kühlung und Abwärmenutzung. Der PUE-Wert (Power Usage Effectiveness), der die Energieeffizienz misst, liegt in der Schweiz leicht unter dem globalen Durchschnitt von 1.56. Innovative Kühlverfahren wie Flüssigkeitskühlung oder Immersionskühlung (Tauchkühlung) könnten Energieeinsparungen von 30 bis 40% ermöglichen, stellen aber höhere Anforderungen an Wartung und Bodenkonstruktion.
Ausblick: Attraktive Perspektiven trotz Hürden
Ein wesentlicher Teil des Vermögenswerts von Datacentern liegt in der vorhandenen Stromversorgung und Gebäudeinfrastruktur. Deshalb können auch ältere Objekte ein interessantes Investment darstellen, wenn sie gut unterhalten sind. Die hohen Wechselkosten der Nutzer und die fortlaufende technologische Aktualisierung schaffen Wertstabilität. Die Nachfrage nach digitaler Infrastruktur wird nicht abnehmen, im Gegenteil: Wer heute in resiliente, nachhaltige und schnell verfügbare Datacenter-Kapazitäten investiert, sichert nicht nur wirtschaftliche Wertschöpfung, sondern auch ein Stück digitale Souveränität für die Zukunft. Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es für die Schweiz daher elementar, die dazu notwendigen Rahmbedingungen möglichst optimal zu gestalten. Dazu zählen insbesondere: schnelle Genehmigungsverfahren, koordinierte Netzausbaupläne und Anreize für nachhaltige Lösungen.
Immobilienberatung JLL Schweiz
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